Ein Vergleich therapeutischer Stimulationsmethoden: EKT, TMS, tDCS, DBS, SCS und VNS

Ein Vergleich therapeutischer Stimulationsmethoden: EKT, TMS, tDCS, DBS, SCS und VNS

EKT, TMS, tDCS, DBS, SCS und VNS sind Abkürzungen für Stimulations Methoden, die zur Behandlung verschiedener psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen eingesetzt werden. Aber wie wirken sie – und worin unterscheiden sie sich? In diesem Artikel betrachten wir jede Methode einzeln und arbeiten die wichtigsten Unterschiede heraus.

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)


EKT steht für Elektrokonvulsionstherapie. Dabei handelt es sich um eine nichtinvasive Neuromodulationsmethode, bei der mit einem starken elektrischen Strom (rund 800 mA) ein kontrollierter epileptischer Anfall ausgelöst wird, um das biologische Gleichgewicht im Gehirn zu beeinflussen. Der Strom wird über außen angebrachte Elektroden abgegeben; die Behandlung erfolgt in Vollnarkose unter Überwachung durch einen Arzt, einen Anästhesisten und geschultes Fachpersonal.

Die EKT weist in der Regel hohe Erfolgsraten auf, wird jedoch vor allem bei schweren Formen der unipolaren oder bipolaren Depression eingesetzt – insbesondere bei psychotischen Symptomen oder akuter Suizidalität –, wenn mildere Behandlungsformen versagt haben. Auch bei therapieresistenter Schizophrenie findet sie Anwendung. Erste Effekte zeigen sich häufig nach etwa zwei Wochen (ca. sechs Sitzungen).

Die EKT gilt insgesamt als sicher; die größten Risiken stehen mit der Narkose in Zusammenhang. Mögliche Nebenwirkungen sind Gedächtnisbeeinträchtigungen sowie selten kardiale Komplikationen. Häufige, meist vorübergehende Nebenwirkungen sind Verwirrtheit, Übelkeit, Kopfschmerzen sowie Kiefer- und Muskelschmerzen.

Transkranielle Magnetstimulation (TMS)

A male patient undergoing a session of transcranial magnetic stimulation
Ein männlicher Patient während einer Sitzung mit transkranieller Magnetstimulation

TMS ist eine nichtinvasive Neuromodulationsmethode, bei der mithilfe magnetischer Impulse in bestimmten Hirnarealen elektrische Ströme erzeugt werden. Diese beeinflussen die neuronale Plastizität, indem sie Neuronen zu „Aktionspotenzialen“ anregen. Die Behandlung erfolgt mit einer elektromagnetischen Spule und findet in der Regel unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik statt.

TMS ist von der FDA zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Depressionen zugelassen und wird entsprechend eingesetzt. Üblich sind 20–30 Sitzungen über 4–6 Wochen.

TMS gilt als sicher; es besteht ein geringes Risiko für Krampfanfälle, weshalb eine medizinische Überwachung erforderlich ist. Mögliche, meist leichte Nebenwirkungen sind Unwohlsein während der Stimulation, Kopfschmerzen, Benommenheit und vorübergehende Hörbeeinträchtigungen.

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)

Männlicher Patient während einer tDCS-Sitzung zur Behandlung von Depressionen mit dem Sooma tDCS™-System

tDCS ist eine nichtinvasive Neuromodulations Methode, bei der mit einem schwachen elektrischen Strom (typischerweise 2 mA) gezielt Hirnareale stimuliert werden. Die Stimulation erhöht oder verringert – je nach Zielsetzung – die Wahrscheinlichkeit, dass Neuronen „Aktionspotenziale“ (d. h. kommunikative Signale) abgeben. Der Strom fließt über zwei Elektroden von einem kleinen, tragbaren, batteriebetriebenen Gerät. Eine Behandlung umfasst meist fünf Sitzungen pro Woche über 4–6 Wochen.

tDCS wird bei verschiedenen psychischen und neurologischen Störungen eingesetzt, unter anderem bei Depression, Fibromyalgie und neuropathischen Schmerzen.

tDCS gilt als sicher und ist in der Regel frei von schwerwiegenden Nebenwirkungen. Häufige, milde Effekte sind leichte Kopfschmerzen, Juckreiz oder Rötungen an den Stimulations Stellen.

tDCS ist die von Sooma angebotene Behandlung für Depression (Sooma-Depressionstherapie; indiziert bei schweren Depressionen) und chronische Schmerzen (Sooma-Schmerztherapie; indiziert bei Fibromyalgie, Kniearthrose sowie neuropathischen Schmerzen bei Multipler Sklerose (MS), nach Rückenmarksverletzung (SCI) oder bei Phantomschmerzen). Sooma-Geräte sind CE-gekennzeichnet und gemäß EU-MDR zertifiziert (offiziell geprüft und EU-weit anwendbar) und unter anderem in Kanada, Mexiko und Australien zugelassen.

Tiefe Hirnstimulation (DBS)


DBS (Deep Brain Stimulation) ist eine invasive Neuromodulations methode. Dabei werden ein Stimulator (Aggregat), Elektroden und verbindende Leitungen chirurgisch implantiert. Das Aggregat liegt meist im Brustbereich und sendet elektrische Impulse an Elektroden in den Zielregionen des Gehirns. Die Stimulationsstärke wird per Fernbedienung gesteuert und individuell angepasst.

DBS wird vor allem bei Bewegungsstörungen eingesetzt und ist von der FDA u. a. für Parkinson, essentiellem Tremor und Dystonie zugelassen; zudem für Zwangsstörungen und Epilepsie.

Neben allgemeinen Operations- und Erholungsrisiken können unter Stimulation Kribbeln, Muskelverspannungen sowie Seh-, Sprech- oder Gleichgewichtsstörungen auftreten. Das Aggregat ist batteriebetrieben: nicht wiederaufladbare Systeme müssen etwa alle 2–5 Jahre operativ gewechselt werden; wiederaufladbare werden regelmäßig aufgeladen und nach rund 8 Jahren ersetzt.

Rückenmarksstimulation (SCS)


SCS (Spinal Cord Stimulation) ist eine invasive Neuromodulations Methode. Ein Stimulator, Elektroden und Leitungen werden operativ implantiert; das Aggregat liegt typischerweise im Gesäßbereich unterhalb der Taille. Über im Rückenmark liegende Elektroden werden Zielnerven mit Impulsen stimuliert. Art (Niederfrequenzstrom vs. Hochfrequenzimpulse) und Zielgebiet werden individuell eingestellt.

SCS wird bei chronischen Schmerzen eingesetzt, da die Impulse schmerzleitende Signale aus betroffenen Körperregionen zum Gehirn stören bzw. überdecken. Zugelassen ist SCS (u. a. durch die FDA) bei Failed-Back-Surgery-Syndrom (FBSS), komplexem regionalem Schmerzsyndrom (CRPS), therapieresistenter Angina pectoris sowie viszeralen Bauch- und Perinealen Schmerzen.

Neben Operations- und Erholungsrisiken kann es unter Stimulation zu unangenehmen Kribbeln kommen. Nicht wiederaufladbare Batterien werden typischerweise alle 2–5 Jahre chirurgisch gewechselt; wiederaufladbare müssen täglich geladen und nach 8–10 Jahren ersetzt werden.

Vagusnervstimulation (VNS)

VNS ist eine invasive Neuromodulations Methode, bei der – wie der Name sagt – der Vagusnerv stimuliert wird. Jeder Mensch hat zwei Vagusnerven, die vom Hirnstamm über Hals und Brust bis in den Bauchraum ziehen. Bei der VNS wird ein kleiner Stimulator unter die Haut im Brustbereich implantiert; Leitungen verbinden ihn mit dem linken Vagusnerv, der dann mit elektrischen Impulsen gereizt wird. Als Reaktion sendet der Nerv Signale an das Gehirn.

VNS ist (u. a. durch die FDA) zur Behandlung von Epilepsie und Depression zugelassen, wenn diese medikamenten- bzw. therapieresistent sind.

Zu den Risiken zählen die üblichen Operations- und Erholungsrisiken. Mögliche Nebenwirkungen der Stimulation sind Husten, Heiserkeit, Stimmveränderungen, Atemnot, Halsschmerzen, Kribbeln, Kopfschmerzen und Schluckbeschwerden.